Mondfest ist Mondkuchen-Zeit. Infolge von strengeren Vorschriften lief der Export mit dem traditionellen chinesischen Gebäck in den letzten Jahr nur schleppend. In diesem Jahr zieht der Verkauf im Ausland erstmals wieder an.
Nach einer Reihe von Verboten hat die Nachfrage nach chinesischen Mondkuchen in den USA und Europa wieder zugenommen. In den Vereinigten Staaten wurden Mondkuchen, die mit einem Eigelb gefüllt sind, im Jahr 2009 aus den Regalen verbannt. Die Europäische Union und Japan zogen wenig später nach und erhöhten den Grenzwert für Zusatzstoffe wie Aflatoxin. Australien wiederum verbot den Import von Mondkuchen mit Fleischfüllungen.
Die chinesischen Hersteller des traditionellen Gebäcks haben inzwischen reagiert und ihre Kreationen den Vorschriften des jeweiligen Exportlandes angepasst. In diesem Jahr sind ihre Exportzahlen erstmals wieder gestiegen.
Maßgeblichen Anteil an diesem Erfolg haben das Amt für Qualitätskontrolle und Quarantäne sowie der Gewerbeverband der Provinz Guangdong, die den Produzenten bei der Umsetzung der ausländischen Richtlinien geholfen haben. Die gemeinsamen Bemühungen tragen nun erste Früchte.
Die Zunahme der Exportzahlen zeigt sich besonders deutlich in Guangdong, das für Mondkuchen bekannt ist, die mit einer Paste aus Lotussamen und Eigelb gefüllt sind. Nach Angaben des Amts für Qualitätskontrolle und Quarantäne der Provinz haben die Hersteller aus Guangdong bis Ende August bereits 1300 metrische Tonnen Mondkuchen im Wert von zehn Millionen US-Dollar exportiert.
Ein Großteil der ausländischen Käufer von Mondkuchen sind Chinesen. Tiffany Zhong vom „Loon Fung“-Supermarkt in London ist zufrieden mit dem diesjährigen Verlauf des Mondkuchengeschäfts: „Wir importieren seit 40 Jahren Mondkuchen aus China. Da wir größere Mengen bestellt haben, können wir tiefere Preise anbieten. Wenn die Verkäufe weiterhin so gut laufen, werden wir nächstes Jahr noch mehr aus China bestellen.“ Großbritanniens strengere Vorschriften für Mondkuchen mit Fleischfüllungen hätten keinen großen Einfluss auf ihren Supermarkt gehabt, weil „Loon Fung“ ausschließlich mit Lieferanten zusammenarbeite, die über alle notwendigen Lizenzen verfügen, erklärt Zhong.
Auch das Geschäft des britischen Online-Anbieters UKCNSHOP hat unter den strikteren Bestimmungen für den Import von Mondkuchen nicht gelitten. Die von seiner Firma verkauften Mondkuchen mit Eigelb-Füllung seien alle aus lokaler Produktion, sagt Direktor Evan Wang. Im vergangenen Jahr habe UKCNSHOP 40 Prozent mehr Mondkuchen verkauft, in diesem Jahr sogar 100 Prozent mehr.
Xiao Yun lebt seit über 20 Jahren in London. Ihre Eltern und Verwandten hätten ihr in der Vergangenheit jedes Jahr Mondkuchen aus China geschickt, sagt die Mitdreißigerin. Sie habe ihnen das aber ausreden müssen, weil Mondkuchen, welche gegen die Importvorschriften verstoßen, vom Zoll retourniert oder vernichtet würden.
Trotzdem muss Xiao Yun am Mondfest vom kommenden Montag nicht auf das traditionelle chinesische Gebäck verzichten: „Ich werde die Mondkuchen in der Chinatown London kaufen.“
„An Empire Reborn“Der neue Schweizer Botschafter Jean-Jacques de Dardel über seine ersten drei Monate in China, das spezielle Verhältnis seiner Heimat zur Volksrepublik sowie die Chancen und Herausforderungen des neuen Freihandelsabkommens.