In China werden landesweit jedes Jahr etwa zwölf Millionen Tiere für wissenschaftliche Zwecke benutzt - vor allem Mäuse, aber auch Kaninchen, Meerschweinchen, Hunde und Affen. Ihr Schicksal soll sich nun verbessern. Noch in diesem Jahr werde ein neues Gesetz in Kraft treten, das den Umgang mit Labortieren besser regelt, verspricht Yue Bingfei vom Nationalen Amt für Nahrungs- und Arzneimittelkontrolle.
Wer in China Versuche an lebenden Tieren unternimmt, der braucht eine offizielle Genehmigung. Trotzdem sei “noch keine Einrichtung wegen Verstößen gegen den Tierschutz und gegen die Ethik bestraft worden”, sagt Yue. “Die neue Verordnung wird die Verfahren definieren, um den Tierschutz und die Ethik zu gewährleisten, und die Aufsicht darüber verstärken.”

Bevor in Zukunft ein Tierexperiment gestartet werden kann, muss es von einer Kommission aus vier Experten und einem Laien ethisch begutachtet und anschließend abgesegnet werden. Auf diese Weise soll laut Yue sichergestellt werden, dass es im Rahmen des Tests auch wirklich Tierversuche braucht, und dass so wenige Tiere wie nur möglich eingesetzt werden.
Die Ethik-Kommission wird auch prüfen, ob den Tieren bei den Experimenten Schmerz zugefügt wird und ob sie nach den Versuchen richtig behandelt werden. So sollen Tiere, die nach einem Experiment nicht mehr gebraucht werden, in Zukunft betäubt werden, bevor man sie tötet.
Es sei durchaus möglich, das Leid von Labortieren zu mindern, sagt Mark Prescott vom britischen National Center for the Replacement, Refinement and Reduction of Animals in Research (NC3Rs). Das NC3Rs ist eine unabhängige Organisation, die sich für den Schutz und das Wohlergehen von Labortieren einsetzt.
Yue betrachtet die Prinzipien des NC3Rs als weltweites Vorbild für den Tierschutz und die Ethik bei Tierversuchen. “Zuerst sollten das Reagenzglas und andere Methoden ohne Tiere berücksichtigt werden. Falls Tiere für ein Experiment wirklich unabdingbar sind, sollten so wenige wie nur möglich eingesetzt und Methoden benutzt werden, die den Schmerz und den Stress für sie auf ein Minimum beschränken.”
Die Prinzipien von NC3Rs würden grundsätzlich auf weite Zustimmung stoßen, erklärt Prescott. In vielen Fällen - selbst in Großbritannien - würde es sich aber oft um nichts weiter als “Lippenbekenntnisse” handeln. Die britische Regierung und die Forschung müssten sich endlich zu ihnen bekennen. Dies sei auch im Sinne der Forschung. “Glückliche Tiere machen die Wissenschaft besser”, meint Prescott.
Laut Yue werden die Prinzipien von NC3Rs in China erst seit dem Jahr 2000 partiell angewandt. Bis sie überall auf Anerkennung stoßen, wird es aber noch eine ganze Weile dauern.
Die internationale wissenschaftliche Gemeinschaft hat China in der Vergangenheit oftmals für die schlechten Bedingungen kritisiert, unter denen die Versuchtiere gehalten wurden. Das habe dem internationalen akademischen Austausch der chinesischen Wissenschaftler geschadet, sagt Yue.
Ein Problem sind die hohen Standards der EU, deren Umsetzung vor allem für kleinere Labors sehr kostenintensiv sind. Nicht selten fehlt es auch schlicht am Platzangebot, um diese Standards einhalten zu können. Auf der anderen Seite ist die EU auch nicht ganz unschuldig an der Situation der Labortiere in der Volksrepublik. Aufgrund des wachsenden Drucks von seiten der Tierschützer haben viele Pharmamultis ihre Tierversuche einfach nach China ausgelagert.
Sun Deming, der Vorsitzende der Ethik-Kommission für den Schutz von Labortieren, fordert daher zurecht, dass der Tierschutz und die ethischen Vorschriften Rücksicht auf die Begebenheiten in China nehmen müssen.