Innerhalb der Provinz Hebei liegen mit Beijing und Tianjin gleich zwei politisch unabhängige Millionenmetropolen. In Zukunft sollen die beiden Mega-Städte ihre Entwicklung mit der Provinz Hebei koordinieren. Dadurch sollen wirtschaftliche Synergien besser genutzt und die negativen Auswirkungen der Urbanisierung in den Griff gekriegt werden.
Die Regierungen der regierungsunmittelbaren Städte Beijing und Tianjin sowie der Provinz Hebei arbeiten an einem gemeinsamen Plan, um die Wettbewerbsfähigkeit der Region zu erhöhen. Ihr Plan sieht vor, dass weniger wichtige Industrien und Teile der Bevölkerung in kleinere Nachbarstädte umgesiedelt werden. Auf diese Weise soll der Bevölkerungsdruck in der Hauptstadt geschmälert und gleichzeitig die wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit der umliegenden Orte gestärkt werden.
Bei den Industrien, die ausgelagert werden sollen, handelt es sich laut Huang Yan, der Leiterin der Beijinger Kommission für Stadtplanung, um Industrien, „die keinen Beitrag zu Beijings Stellung als politisches Zentrum in China und als innovatives internationales Zentrum für Kommunikation und Technologie leisten“.
Gegenüber Radio Beijing sagte Huang am Montag: „Wir haben die regierungsunmittelbaren Städte Beijing und Tianjin sowie die Städte in der Provinz Hebei entsprechend ihrer Bevölkerungsgröße in die drei Kategorien „regierungsunmittelbare Städte“, „Großstädte“ und „städtische Knoten“ unterteilt. Mit „städtischen Knoten“ sind kleinere Städte gemeint, die größere Städte miteinander verbinden. Das Ziel des Planes ist es, die Funktionen dieser Städte von unterschiedlicher Größe zu optimieren und aufeinander abzustimmen, so dass sie sich ergänzen.“
Mit dem Plan sollen in den Mega-Städten Beijing und Tianjin aber auch die Luftqualität verbessert und die Verkehrsprobleme sowie die Probleme bei der Wasserversorgung entschärft werden. Chinas Hauptstadt wies im Jahr 2013 eine Bevölkerungszahl von 21,14 Millionen auf, im benachbarten Tianjin lebten 14,72 Millionen Menschen.
„Im vergangenen Jahrzehnt ist die Anzahl der Menschen in Beijing, die im Besitz der Niederlassungsbewilligung „Hukou“ sind, pro Jahr durchschnittlich um fast 600.000 gewachsen“, erklärt Huang. „Der Druck auf die Umwelt, die öffentlichen Dienstleistungen und die Infrastruktur hat dadurch massiv zugenommen.“
Mit dem bisher gültigen Plan könnten die wachsenden Probleme der Urbanisierung nicht mehr behoben werden, so die Leiterin der Beijinger Kommission für Stadtplanung. Daher müsse ein neuer, verbesserter Plan ausgearbeitet werden.
Beijings aktueller Plan zur Stadtentwicklung stammt aus dem Jahr 2005. Er ist auf zehn Jahre angelegt und dauert noch bis Ende 2014.
Der neue Plan soll Anreize schaffen, damit sich die Menschen zunehmend in den umliegenden Städten niederlassen. Zu diesem Zweck sollen im Umland von Beijing neue Krankenhäuser und neue Transportverbindungen wie Hochgeschwindigkeitsstrecken gebaut werden, welche die einzelnen Städte besser miteinander verbinden.
„Caijing“, das beliebteste Wirtschaftsmagazin in China, vermeldete am 19. März, dass sich die Regierungen von Beijing, Tianjin und Hebei auf die Stadt Baoding als zweiten Verwaltungssitz neben Beijing geeinigt haben. Das rund 100 Kilometer südlich von Beijing gelegene Baoding war bis Ende der 1950er Jahre die Hauptstadt von Hebei. Von offizieller Seite wurde der Bericht umgehend verneint. Trotzdem gilt er weithin als Signal zur Beschleunigung der Integration von Beijing, Tianjin und Hebei.
An einem Symposium am 27. Februar hatte Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping erstmals zu einer koordinierten Entwicklung des Großraums Beijing, Tianjin und Hebei aufgerufen.