24-09-2026
In einer Messehalle der südwestchinesischen Stadt Chongqing lenkt ein elektrisches Geländemotorrad den Blick zahlreicher Zuschauer auf sich. In der Nähe reihen sich Retro-E-Motorräder, städtische Pendlerfahrzeuge und leistungsstarke E-Bikes aneinander, die darauf warten, ins Rampenlicht zu treten.
Doch nicht nur die Motorräder erregen Aufmerksamkeit. Kaufinteressenten ziehen von Stand zu Stand und bleiben immer wieder stehen, um Batterien, Motoren und intelligente Steuerungseinheiten zu begutachten – jene Komponenten, die eine neue Generation elektrischer Zweiräder antreiben.

Besucher besichtigen am 20. September 2026 die 24. China International Motorcycle Trade Exhibition in Chongqing. (Foto: VCG)
Die Szenerie auf der 24. China International Motorcycle Trade Exhibition bietet einen Einblick in einen umfassenderen Wandel der chinesischen Motorradindustrie: Modelle mit alternativen Antrieben sind längst kein Nischenphänomen mehr. Hersteller wie Käufer schenken ihnen immer mehr Beachtung.
Auf der Messe, die von Samstag bis Dienstag in Chongqing stattfand, kamen 1.120 Aussteller und mehr als 100 internationale Motorrad- und Elektrofahrzeugmarken zusammen, die über 3.000 Fahrzeuge präsentierten. Tausende Einkäufer und Händler aus mehr als 80 Ländern und Regionen nutzten die Messe, um neue chinesische Produkte zu entdecken.
Aus Sicht der Hersteller schlägt sich der Wandel in den ausgestellten Produkten nieder. Elektromotorräder werden für immer unterschiedlichere Einsatzbereiche entwickelt, von Langstreckenfahrten zwischen Städten über leistungsorientiertes Pendeln bis hin zu Rennsport und Geländefahrten.
Ihre Expansionsbestrebungen gehen inzwischen über die Grenzen Chinas hinaus. Einige Marken haben bereits auf europäischen und amerikanischen Märkten Fuß gefasst und verkaufen ihre Elektromotorräder mittlerweile in Dutzenden Ländern und Regionen.
„Elektromotorräder sind der Trend der Zukunft", sagt der kolumbianische Käufer Hernan Holguin, während er zwischen den verschiedenen Ständen umhergeht und chinesische Elektromotorräder genau in Augenschein nimmt.
Für Kunden wie Holguin geht die Attraktivität der Fahrzeuge über das Messegelände hinaus. Steigende Kraftstoffpreise, der immer größere Verkehrsbedarf in den Städten und boomende Kurierdienste veranlassten die südamerikanischen Märkte, sich chinesischen Elektromotorrädern zuzuwenden. Er hofft, während seiner Reise Kooperationsabkommen zu schließen und damit mehr chinesische Elektromotorräder auf lateinamerikanische Märkte zu bringen.
Dieses wachsende Interesse findet auch bei Brancheninsidern Beachtung.
Motorräder mit alternativen Antrieben werden in vielen Ländern und Regionen zu einem wichtigen Bestandteil der städtischen Mobilität werden, erklärt Zhang Hongbo, Generalsekretär der China Chamber of Commerce for Motorcycle (CCCM). Durch den technologischen Fortschritt entwickle sich die Branche in Richtung umweltfreundlicherer und intelligenterer Produkte, sodass die chinesischen Motorräder mit alternativen Antrieben auf den globalen Märkten weiter zulegen dürften.
Analysten erwarten, dass die riesige und gut etablierte Motorradindustrie des Landes ein solides Fundament für das Wachstum der Elektromotorrad-Branche bietet.
Als weltweit größter Hersteller von Motorrädern beläuft sich der Wert der industriellen Wertschöpfungskette in China auf fast 500 Milliarden Yuan (etwa 65,45 Milliarden Euro). Nach Angaben der CCCM produzierte das Land 2025 über 22,1 Millionen Motorräder und verkaufte nahezu 21,97 Millionen Fahrzeuge.
Chongqing als bedeutendes Produktionszentrum, in dem etwa jedes dritte in China hergestellte Motorrad vom Band rollt, bietet einen detaillierten Einblick in die Entwicklung der Branche.
Motorräder mit Verbrennungsmotor und Elektromotorräder entwickeln sich hier parallel nebeneinander. Große Hersteller wie Zonsen und Shineray beschleunigen ihre Pläne für Fahrzeuge mit alternativen Antrieben, während Batteriehersteller ihrerseits neue Technologien und Produkte auf den Markt bringen und so die Angebotspalette elektrischer Fahrzeuge schrittweise erweitern.
In der ersten Jahreshälfte 2026 exportierte Chongqing 117.000 Elektromotorräder und Mopeds im Wert von 515 Millionen Yuan. Das Exportvolumen stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 130,5 Prozent, während der Exportwert um 66,6 Prozent zunahm, wie aus Statistiken der städtischen Kommission für Wirtschaft und Informatisierung hervorgeht.
Bei vielen Herstellern steht der nächste Schritt fest: elektrische Modelle in ihre Produktpalette aufnehmen.
Das 2024 gegründete Unternehmen ZXMOTO hatte sich zunächst mit hubraumstarken Verbrennermotorrädern schnell auf dem Markt etabliert. Nun wendet sich das Unternehmen Elektromodellen zu.
Die notwendigen Genehmigungen seien bereits erworben und die entsprechende Forschung und Entwicklung sei weit fortgeschritten, gab der Gründer des Unternehmens, Zhang Xue, auf der Veranstaltung bekannt.
Da immer mehr Hersteller auf Elektrifizierung setzen, erkennen Branchenexperten für Elektromotorräder das Potenzial, den Wachstumspfad der chinesischen Elektroautoindustrie einzuschlagen.
Die Motorradbranche könne dem Elektrifizierungsweg der chinesischen Automobilindustrie folgen, ihn wiederholen und sogar noch übertreffen, zeigt sich Chen Qingquan, Mitglied der Chinesischen Akademie der Ingenieurwissenschaften, überzeugt. Er weist darauf hin, dass sowohl die Fahrzeug- als auch die Batterietechnik inzwischen ausgereift seien.
„Die Zeit des schnellen Wachstums für die Elektromotorrad-Industrie ist gekommen“, so Chen.