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Zu den besonders wertgeschätzten Ergebnissen des China-Besuchs von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

(German.people.cn)  Dienstag, 03. November 2026

  

Von Prof. Dr. Meng Hong

Vom 26. bis 31. Oktober 2026 absolvierte der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seiner Funktion als Staatsoberhaupt seinen zweiten Staatsbesuch in China. Bereits während der Kanzlerschaft Gerhard Schröders war er Chef des Bundeskanzleramts; unter Angela Merkel bekleidete er zweimal das Amt des Bundesaußenministers und reiste in dieser Funktion insgesamt sechsmal nach China. Er trug maßgeblich dazu bei, die zeitweilig krisengeschüttelten deutsch-chinesischen Beziehungen wieder auf den richtigen Kurs zu lenken, und legte damit eine solide Grundlage für die spätere „goldene Dekade“ der bilateralen Zusammenarbeit: Die beiden Länder errichteten nicht nur eine umfassende strategische Partnerschaft, sondern schufen zudem eine Reihe regulärer Kooperationsmechanismen, darunter die Regierungskonsultationen und den hochrangigen Außenministerdialog. Aus diesem Grund genießt er in China hohes Ansehen als „alter Freund des chinesischen Volkes“.

Ein überaus facettenreiches Programm für seinen diesjährigen China-Besuch

Steinmeiers neuer China-Besuch fällt in eine entscheidende Phase: Das globale geopolitische Gefüge durchläuft einen tiefgreifenden Wandel, die China-Politik der deutschen Bundesregierung ist von Instabilität geprägt, und die wirtschafts- und handelspolitischen Spannungen zwischen beiden Ländern sowie zwischen China und der EU halten unvermindert an. Ähnlich wie der China-Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz Ende Februar dieses Jahres beschränkte sich auch Steinmeiers Staatsbesuch nicht allein auf die Hauptstadt Beijing, sondern begann in Hefei, der Hauptstadt der Provinz Anhui – der Partnerprovinz des Bundeslandes Niedersachsen. Gemeinsam mit seiner Gattin Elke Büdenbender mischte er sich dort unter die lokale Bevölkerung, bestieg zu Fuß das malerische Huangshan-Gebirge und besuchte den Luogang-Park, ein vorbildliches städtisches Projekt für ökologische Nachhaltigkeit, das auf dem Gelände eines ehemaligen Flughafens errichtet wurde.

In Hefei unternahm Steinmeier zudem einen eigens arrangierten Abstecher zum ehemaligen Wohnsitz von Li Hongzhang. Vor 130 Jahren reiste dieser hochrangige chinesische Beamte der späten Qing-Dynastie nach Deutschland, um nach Wegen zur Rettung seines Landes zu suchen, und bat dabei persönlich den bereits im Ruhestand befindlichen „Eisernen Kanzler“ Bismarck um Rat. Der Besuch dieser historischen Gedenkstätte lenkt den Blick der Gäste aus dem fernen Deutschland diesmal nicht nur zurück auf Chinas Vergangenheit, als das Land nach den Opiumkriegen Mitte des 19. Jahrhunderts in den Zustand einer halbkolonialen, halbfeudalen Gesellschaft geriet, sondern auch auf die frühen Modernisierungsbemühungen Chinas, die in jener Epoche ihren Anfang nahmen.


Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (rechts) besichtigt am 27. Oktober 2026 ein Fahrzeug mit alternativen Antrieben auf der Teststrecke der Volkswagen China Technology Company (VCTC) in Hefei in der ostchinesischen Provinz Anhui. (Xinhua/Du Yu)

Darüber hinaus besuchte Steinmeier in Hefei die dritte Gesamtfahrzeug-Produktionsstätte der Volkswagen Group in China, die im Jahr 2020 gegründete Volkswagen (Anhui) Co., Ltd. Vor Ort unternahm er persönlich eine Testfahrt mit dem neu entwickelten intelligenten Elektrofahrzeug des Unternehmens.

Während seines Aufenthalts in Beijing hielt Steinmeier eine Rede an der Peking-Universität, wo ihm zudem die Ehrenprofessur verliehen wurde. In der Sporthalle der Universität spielte er darüber hinaus gemeinsam mit Universitätsrektor Gao Song, dem deutschen Tischtennisstar Timo Boll und der chinesischen Tischtennis-Weltmeisterin Liu Wei Pingpong – eine bewusste Reminiszenz an die Pingpong-Diplomatie zwischen der VR China und den USA Anfang der 1970er Jahre, die zur Zeit des Kalten Krieges einen wichtigen Beitrag zur Normalisierung der diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Staaten leistete.

In Beijing trafen Steinmeier und seine Gattin zudem mit chinesischen Frauenvertreterinnen zusammen, um sich über die Rolle der Frau in China und Deutschland auszutauschen. Darüber hinaus besuchten sie das Jiade-Kunstzentrum – dessen Gebäude vom bekannten deutschen Architekten Ole Scheeren entworfen wurde – sowie das Volkskunsttheater von Beijing, dessen Direktor Feng Yuanzheng einst seine Schauspielausbildung in Berlin absolviert hat.

In der Großen Halle des Volkes führte Steinmeier Gespräche mit den chinesischen führenden Persönlichkeiten. Mit ihnen tauschte er sich ausführlich über die bilateralen Beziehungen zwischen China und Deutschland sowie über Fragen der regionalen und internationalen Entwicklung aus, die für beide Seiten von Interesse sind.

Diese Reiseplanung verdeutlicht nicht nur die enge Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern in den Bereichen Wissenschaft und Hochschulausbildung, Kunst und Kultur sowie Politik und Wirtschaft. Vielmehr stärkt sie zugleich durch hochrangige Empfangszeremonien, inhaltlich vielfältige und fundierte Dialoge sowie den offenen Meinungsaustausch die notwendige politische Grundlage der bilateralen Beziehungen und festigt darüber hinaus die kulturellen Bindungen zwischen beiden Seiten.

Unterschiedlicher Umgang mit der Geschichte im Vergleich zum Bundeskanzler bei dessen Japanbesuch

Als Staatsoberhaupt Deutschlands übt Steinmeier gemäß dem parlamentarischen Regierungssystem der Bundesrepublik zwar keine direkte Leitungsfunktion über Regierungsentscheidungen aus; dank seiner überparteilichen, neutralen Position verfolgt er jedoch sowohl in der öffentlichen Diplomatie als auch in der sogenannten „Präsidentendiplomatie“ stets einen gemäßigteren und inklusiveren Ansatz. Auf dieser Reise führte er hochrangige Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur, Sport sowie aus Think-Tanks zu Gesprächen auf verschiedenen Ebenen nach China. Damit unterstrich er nicht nur das vielfältige, offene Image Deutschlands und glich die tendenziell zu starre Ausgestaltung des intergouvernementalen politischen Dialogs aus, sondern brachte auch menschliche Wärme in die deutsch-chinesischen Beziehungen ein und leistete somit einen unverzichtbaren Beitrag zur Festigung der Vertrauensgrundlagen zwischen beiden Völkern.


Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hält am 29. Oktober 2026 an der Peking-Universität in Beijing eine Rede. Steinmeier stattete China vom 27. bis 31. Oktober einen Staatsbesuch ab. (Xinhua/Ma Xiaodong)

Besonders hervorzuheben ist, dass Bundespräsident Steinmeier während seines Chinabesuchs die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart herstellt und damit das bedeutende historische Gedächtnis bewahrt und pflegt.

Dagegen scheint der Bundeskanzler nicht ausreichend berücksichtigt zu haben, dass der erneute Abschluss eines Militärbündnisses zwischen Deutschland und Japan das chinesische Volk unmittelbar an die grausamen militärischen Angriffe und Massaker japanischer Truppen in China nach 1931 erinnert – eine schreckliche Entwicklung, die damals nicht zuletzt durch den Abschluss des Dreimächtepakts zwischen Hitler-Deutschland, Japan und Italien im Jahr 1940 noch massiv verschärft wurde. Die Anerkennung der Wang-Jingwei-Regierung, der von Japan eingesetzten Marionettenregierung in China, durch das Hitler-Regime im Jahr 1941 führte schließlich unmittelbar zum Abbruch der offiziellen deutsch-chinesischen Beziehungen. Dieser Verlauf schuf letztlich die Voraussetzung dafür, dass China 1945 als eine der Siegermächte aktiv an der Unterzeichnung der Potsdamer Deklaration sowie an der Gründung der UNO mitwirkte.

Vervollständigung des aktuellen Chinabildes in Deutschland durch den Chinabesuch des Bundespräsidenten

Derzeit befindet sich Deutschland inmitten einer Reihe tiefgreifender Krisen. Die seit Februar 2022 andauernde Russland-Ukraine-Krise ist bislang nicht auf friedlichem Wege angemessen beigelegt worden. Unter dem Einfluss geopolitischer Machtkämpfe und vorherrschender medialer Narrative vertiefen sich in der deutschen Gesellschaft zunehmend Stereotype und Missverständnisse gegenüber China. Die von der Bundesregierung verfolgte „De-Risking“-Strategie sowie ihre pauschal sicherheitsorientierte Herangehensweise verstärken diese Vorurteile zusätzlich und behindern in gewissem Maße den offenen Zusammenarbeitsprozess zwischen Deutschland und China in unterschiedlichen Bereichen.

Als hochangesehenes Staatsoberhaupt Deutschlands leistet Steinmeier mit seiner Delegation im Rahmen der aktuellen Chinareise nicht nur einen Beitrag zur Fortführung der diplomatischen Traditionen und der langjährigen Zusammenarbeit beider Länder, sondern vermittelt der deutschen Bevölkerung zugleich ein vielschichtigeres, authentischeres und umfassenderes Bild Chinas. Dies zeigt sich insbesondere an der Entwicklung der in China ansässigen deutschen Automobilhersteller: Sie verfolgen den Ansatz „in China, für China“ und erschließen schrittweise einen neuen Entwicklungsweg mit dem Ziel „tiefgreifende Präsenz in China, Win-Win-Kooperation auf globaler Ebene“. Das 2020 gegründete Gemeinschaftsunternehmen Volkswagen Anhui setzt auf kooperative Innovation und hat sich inzwischen zum größten Forschungs- und Entwicklungszentrum von Volkswagen außerhalb Deutschlands entwickelt. Damit liefert es ein vorbildliches Modell für die Transformation, Aufholjagd und innovative Entwicklung deutscher Automobilhersteller sowohl in China als auch in Deutschland.

Die zentrale Bedeutung von Steinmeiers Chinabesuch liegt ferner darin, dass er durch seine Aufenthalte vor Ort unmittelbare Eindrücke sammeln und Rückmeldungen aus erster Hand einholen kann. Auf diese Weise trägt er dazu bei, Informationsbarrieren abzubauen und die deutsche Bevölkerung dazu zu motivieren, selbst nach China zu reisen – getreu dem chinesischen Sprichwort „Einmal selbst sehen ist besser als hundert Mal hören“ –, über ideologische Vorurteile hinauszublicken und eine rationale Wahrnehmung der vielfältigen Werte der bilateralen Zusammenarbeit zwischen China und Deutschland zu entwickeln. Dies wird nicht zuletzt dazu beitragen, die Kommunikationsgrundlagen zwischen den beiden Ländern – den zweit- und drittgrößten Wirtschaftsmächten der Welt – in einer komplexen, sich ständig wandelnden Weltlage zu stärken, einen objektiveren, rationaleren und inklusiveren gesellschaftlichen Diskurs für eine stabile Entwicklung der bilateralen Beziehungen in der neuen Ära zu schaffen und somit einen unverzichtbaren Beitrag zur nachhaltigen friedlichen Weltentwicklung zu leisten.

(Die Autorin ist Senior Research Fellow am Centre for European Studies sowie Direktorin des Deutschen Forschungsprojekts am European Joint Research Institute des MOE, Renmin-Universität China.)

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