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Ein Deutscher erlebt Shenzhen: Hochkultur

(German.people.cn)  Donnerstag, 22. Oktober 2026

  

Von Shan Diluo, Shenzhen

Heute geht es in den nördlichen Stadtbezirk Longhua. Die nördliche Zentrale der Shenzhener Stadtbibliothek in der Nähe des Nordbahnhofs mit aufgeständerten Zug- und U-Bahn-Strecken stellt uns bei der Besichtigung zunächst ihre Echtzeit-Datenerfassung von bspw. ausgeliehenen Büchern der vielen Filialen des stadtweiten Bibliotheksnetzwerks vor, die auf einem großen Bildschirm in der Eingangshalle erscheint. Richtig Hightech erscheint die Bücherei aber nicht deshalb oder aufgrund eines Systems, das durch kleine Leuchten den Standort eines Buchs im Regal anzeigen kann, sondern durch eine automatische Beförderungsanlage für Bücher aus dem Magazin. Sie erinnert an Gepäckbeförderungsanlagen an Flughäfen, transportiert aber einheitliche Plastikkörbe, die vollgepackt mit Büchern sind, die aus einem bestimmten Abschnitt des Magazins stammen. Das Magazin selbst, oder zumindest der für uns sichtbare Teil, befindet sich in einer zwanzig Meter hohen Halle und wird durch das Transportsystem vollautomatisch bedient. Bei einem kurzen Blick auf den einsehbaren Bücherbestand wirken Teile der Bibliothek eher wie eine Ausstellung statt wie ein Bücherlager, wie einige andere Bibliotheken. Platzprobleme scheint es hier also nicht zu geben. Außerdem fällt der hohe Anteil englischsprachiger Titel unter den „ausgestellten“ Büchern ins Auge.


Das vollautomatisch betriebene Magazin in der nördlichen Zentrale der Shenzhener Stadtbibliothek. (Foto: Shan Diluo/People's Daily Online)

Direkt gegenüber befindet sich mit dem neuen Kunstmuseum Shenzhen der nächste gigantische Quader. Bei beiden Gebäuden ist von außen nur durch die Schrift an der Fassade erkennbar, was das Gebäude genau beherbergt.

Das Trommelfeuer an Informationen, die diesen Vormittag unaufhörlich auf uns einprasseln, kann sich wohl selbst der beste Gedächtnissportler unmöglich merken. Zu den Ausstellungen konnte ich trotzdem ein paar wenige Eindrücke festhalten:

Die Werke der ersten Ausstellung wirken wie moderne Interpretationen traditioneller buddhistischer Motive bzw. Malerei und sind komplett kunterbunt. Gerade die großen, meterlangen Exemplare erwecken den Eindruck riesiger Wimmelbilder. Alle hier betrachteten Werke stammen aus den vergangenen zwanzig Jahren.

Die ähnlich bunte zweite Ausstellung ist inhaltlich mit beeindruckenden Nahaufnahmen verschiedener Tier- und Pflanzenarten ganz anders ausgerichtet.

In der dritten Ausstellung gibt es schließlich Gemälde aus Dunhuang von einer Künstlerin aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu bestaunen. Leider gleicht die Besichtigung einem Marathon und es bleibt nur wenig Zeit, die Werke einmal kurz auf sich wirken zu lassen.


Der große Konzertsaal des Luhu-„Kunstzentrums“. (Foto: Shan Diluo/People's Daily Online)

Anders als der Name vermuten lässt, ist das Luhu-„Kunstzentrum“, das wir am Nachmittag zunächst besichtigen, ein Theater oder Konzerthaus, das von außen ganz in Weiß daherkommt. Mit seinen vielen Ecken und verschiedenen Winkeln erinnert es entfernt an die Berliner Philharmonie. Die knallorangenen Sitze im kleineren Black Box Theater tragen ebenfalls zum Eindruck jenes 70er-Jahre-Stils bei. Der große Saal jedoch, der wie die anderen über ein hohes Foyer erreicht wird, in dem das Weiß der Außenhaut mit dunklem Holz kombiniert wird, ist mit schlichten grauen Sitzen bestuhlt und ansonsten praktisch inklusive der Decke mit Holz in warmen Farbtönen ausgekleidet. Mit seinen etwa 1400 Plätzen wirkt er nicht so besonders groß, fühlt sich aber – ob durch die Bauweise oder Ausstattung – besonders kompakt an. Eine Mitarbeiterin betont wiederholt, wie stark europäisch der Stil des Saals geprägt sei. Dass mir insgesamt wenige Dinge ungewohnt erscheinen, könnte diese Darstellung bestätigen. Außerdem verweist sie darauf, dass deutsche Musiker die Akustik hier immer wieder äußerst gelobt hätten. Es wäre bestimmt einmal interessant, einer Darbietung hier live beizuwohnen. Auf dem Programm stehen sowohl chinesische als auch internationale Stücke, die von verschiedensten Künstlern aus dem In- und Ausland aufgeführt werden.


Atelier des Künstlerparks. (Foto: Shan Diluo/People's Daily Online)

Die letzte Station des heutigen Tags erscheint zunächst als ein Landschaftspark mit ein paar alten Hütten und Hallen. Eine erste Halle entpuppt sich bei der Besichtigung als eine Art Manufaktur von Kunstwerken verschiedener Art und unterschiedlichen Stils. Künstler aus aller Welt wenden hier bei ihrer Arbeit vielfältige Druckverfahren an. Aus mangelndem eigenen Wissen kann ich hier kaum ins Detail gehen. Das Gebäude sieht von innen wie eine große Kunstwerkstatt oder ein gemeinsames Atelier aus, in dem nicht nur Werke aus Papier, sondern auch aus Metall, wie Kupferstiche, Stein oder Holz, gefertigt werden. Die Hütten dienen den Künstlern hingegen als Wohnungen, die ihnen vom Betreiber der Anlage kostenlos zur Verfügung gestellt werden. In einem zweiten großen Atelier sind die Künstler dann auch tatsächlich konzentriert bei der Arbeit zu beobachten und lassen sich gerne und ausführlich interviewen, auch wenn mich mit der Zeit das Gefühl beschleicht, selbst hier vor allem andere Menschen bei ihrer Arbeit zu stören.

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