15-09-2026
german 15-09-2026
Politik Technik Archiv
Wirtschaft Videos Chinesische Geschichten
Kultur Bilder
Gesellschaft Interviews
Startseite>>Technik

Vom Papier auf die Straße: Umsetzung globaler Regeln für autonomes Fahren

(German.people.cn)  Dienstag, 15. September 2026

  

Nach jahrelanger Ausarbeitung beginnt für globale Regeln zum autonomen Fahren nun die komplizierte Umsetzungsphase. Drei Monate nach Verabschiedung der ersten internationalen technischen Regelungen für automatisierte Fahrsysteme (ADS GTR) trat am Montag in Genf ein UN-Gremium für Fahrzeugregulierung zusammen, um zu klären, wie verschiedene Länder dieselben Vorschriften umsetzen werden.

Dieses Gremium ist die Arbeitsgruppe für automatisierte/autonome und vernetzte Fahrzeuge (GRVA), eine nachgeordnete Gruppe des UN-Weltforums zur Harmonisierung von Fahrzeugvorschriften (WP.29). Ihre 26. Sitzung fand im Anschluss an die Verabschiedung der ADS GTR im Juni auf der 199. WP.29-Plenarsitzung statt. Mittlerweile liegt der Schwerpunkt nicht mehr auf der Ausarbeitung, sondern auf der Anwendung der Vorschriften.

Auf der Tagesordnung standen Fortschrittsberichte der ADS Informal Working Group (ADS IWG), die Anwendbarkeit der UN Global Technical Regulations und der UN-Regelungen zum autonomen Fahren sowie die Klassifizierung automatisierter Fahrzeuge. Hinter diesen Punkten stehen ungelöste Fragen: Wie übertragen die einzelnen Vertragsparteien dieselbe technische Vorschrift in nationales Recht und welche Kategorien automatisierter Fahrzeuge unterliegen welchen Regelungen? Der Vorsitz der Arbeitsgruppe GRVA hat einen Mechanismus vorgeschlagen, der, ähnlich dem Mechanismus für die UN-Regelung Nr. 155 zur Cybersicherheit, mit Leitlinien und Dokumenten zur Regelauslegung helfen soll, eine einheitliche Anwendung der Regelungen sicherzustellen.

China hat den stellvertretenden Vorsitz der GRVA inne und ist Co-Vorsitzender der ADS IWG. Auf dem 19. Treffen der ADS IWG im Februar in Shanghai wurden Chinas technische Vorschläge zu dynamischen Fahraufgaben und zur Interaktion zwischen Mensch und Maschine angenommen. Darüber hinaus teilte China Daten aus geschlossenen Testanlagen, aus dem öffentlichen Straßenverkehr und aus Tests zur Vernetzung von Fahrzeug und Straßeninfrastruktur. Diese Beiträge fanden Eingang in die ersten internationalen technischen Regelungen für automatisierte Fahrsysteme (ADS GTR), die unter der gemeinsamen Führung Chinas, der Europäischen Union, Großbritanniens, der Vereinigten Staaten, Kanadas und Japans erarbeitet wurden.

Der chinesische nationale Standard GB 44721-2026 wurde am 30. Juli genehmigt und tritt am 1. Juli 2027 in Kraft. Er umfasst Systeme der Stufen 3 und 4 für Fahrzeuge der Kategorien M und N, mit Ausnahme des automatisierten Parkens. Verglichen mit ADS GTR enthält der chinesische Standard zusätzlich genauere Vorgaben für Sicherheitsgrenzen der Stufen 3 und 4, Nutzerinformationen und -schulungen sowie ein einheitliches, standardisiertes System für Testszenarien. Die ADS GTR beruht auf dem international üblichen Ansatz mit den drei Säulen Simulation, Teststrecke und Straßentest. GB 44721 baut darauf auf und ergänzt ihn um standardisierte Szenarien.

Demnach überführt China die internationalen Regelungen schneller als viele andere Vertragsparteien in verbindliches nationales Recht. Für global aufgestellte Autohersteller ist der Unterschied zwischen den beiden Regelwerken von Bedeutung: Wer ADS GTR erfüllt, hält damit nicht automatisch auch GB 44721 ein und umgekehrt. Diese Kluft konnte die GRVA bei ihrer Sitzung nicht schließen, aber die Sitzung hat Einfluss darauf, wie schnell die internationalen Regelungen wirksam werden.

Der Bericht über die Sitzung soll Mitte Oktober vorliegen. Die nächsten wichtigen Termine sind die 27. GRVA-Sitzung und die 201. WP.29-Plenarsitzung im März 2027.

Folgen Sie uns auf Facebook und Twitter!

German.people.cn, die etwas andere China-Seite.