08-07-2026
China ist nicht die Wurzel europäischer Probleme, sondern Partner zu deren Lösung. Nur durch vertiefte Zusammenarbeit und Verhandlungen auf Augenhöhe können Differenzen ausgeräumt und der bilaterale Handel auf eine stabile Grundlage gestellt werden.
Kürzlich fand in Brüssel die erste Sitzung des Konsultationsmechanismus für Handel und Investitionen zwischen China und der EU statt. Beide Seiten erklärten, einen Konsens über die Ausrichtung ihrer Wirtschaftsbeziehungen als stabile, ausgewogene und ausschlaggebende Handelspartnerschaft erzielt zu haben. Vor dem Hintergrund des zunehmenden Protektionismus und tiefgreifender Veränderungen der globalen Wirtschafts- und Handelsordnung beweisen China und die EU durch institutionalisierte Gesprächsformate zur Lösung handelspolitischer Probleme erneut, dass nur durch vertiefte Zusammenarbeit und Verhandlungen auf Augenhöhe Differenzen ausgeräumt und der bilaterale Handel auf eine stabile Grundlage gestellt werden können.
Der neu eingerichtete Konsultationsmechanismus für Handel und Investitionen zwischen China und der EU untergliedert sich in vier Arbeitsbereiche: Gleichgewicht von Handel und Investitionen, Exportkontrolle, geistiges Eigentum sowie Reform der Welthandelsorganisation. Diese Bereiche decken sämtliche Kerninteressen beider Seiten ab. Die Verhandlungspartner einigten sich außerdem auf die Schaffung eines gemeinsamen Monitoring-Mechanismus, der den Austausch von Handelsdaten, die Überwachung von Handelsströmen sowie damit verbundene Arbeiten auf technischer Ebene vorsieht. Diese konstruktiven Maßnahmen zur direkten Thematisierung von Differenzen und Steuerung von Konflikten markieren den offiziellen Beginn einer dauerhaft institutionalisierten Behandlung von Handelsstreitigkeiten zwischen China und der EU.
Seit einiger Zeit gewinnen protektionistische Strömungen innerhalb der EU an Einfluss. Einige Politiker stellen unablässig falsche Behauptungen von einem „Handelsungleichgewicht zwischen China und der EU“, „Überkapazitäten“ oder „unfairem Wettbewerb“ auf, konstruieren irreführende Narrative wie den „China-Schock 2.0“ und behindern mit immer neuen Einschränkungen die reguläre chinesisch-europäische Zusammenarbeit in Wirtschaft und Handel. Dies ist letztlich Ausdruck einer verzerrten Wahrnehmung der gegenseitigen Wirtschafts- und Handelsbeziehungen von Seiten der EU und offenbart deren große Hilflosigkeit angesichts eigener struktureller Probleme.
Diese Fehlwahrnehmungen müssen durch Fakten korrigiert und strukturelle Probleme an ihrer Wurzel angegangen werden. Beispiel „Überkapazitäten“: Die Vorwürfe aus Brüssel stützen sich meist ausschließlich auf das Handelsdefizit bei Waren, lassen den Handelsüberschuss bei Dienstleistungen aber bewusst außer Acht. Nach chinesischen Berechnungen verzeichnete die EU hier 2025 einen Handelsüberschuss von 48,3 Milliarden US-Dollar (etwa 42,3 Milliarden Euro). Wenn man Dienstleistungen in die Handelsbilanz miteinbezieht, verringert sich das Defizit erheblich. Die Ursache der wirtschaftlichen Herausforderungen, vor denen einige Branchen in Europa stehen, ist vielmehr in hausgemachten strukturellen Problemen zu suchen. Hohe Energiekosten, ständig wechselnde Industriestrategien und mangelnde Innovationskraft sind die eigentlichen Hemmnisse für die Steigerung ihrer Wettbewerbsfähigkeit. Sich durch handelspolitische Abschottung dem Wettbewerb zu entziehen, bedeutet, Gift zu trinken, um den Durst zu löschen. Diese Politik wird die eigenen strukturellen Probleme nur weiter verfestigen und untergräbt sowohl die Interessen der europäischen Verbraucher als auch das langfristige Entwicklungspotenzial der Wirtschaft.
Die chinesische Seite ist seit jeher bereit, Differenzen durch aufrichtigen Dialog zu überwinden, tritt aber gleichzeitig entschlossen für ihre legitimen Industrie- und Handelsinteressen ein. China hat mehrfach bekräftigt, dass der grundlegende Charakter der chinesisch-europäischen Wirtschafts- und Handelsbeziehungen in der Ergänzung der jeweiligen Stärken und gegenseitigem Nutzen besteht. Diese Beziehungen sollen und können sich zu einem dynamischen Gleichgewicht entwickeln. Von der Autoindustrie und den erneuerbaren Energien über Biomedizin bis hin zum Maschinenbau sind die Industrie- und Lieferketten beider Seiten eng miteinander verzahnt und ergänzen sich gegenseitig ideal. Angebots- und Nachfragemärkte sind voneinander abhängig, sodass beide Seiten schon längst nur gemeinsam gewinnen oder verlieren können. Für europäische Unternehmen liegt der Schlüssel zu mehr Wettbewerbsfähigkeit gerade in der Integration in die globale Arbeitsteilung und Kooperation statt in einer künstlichen Zerschneidung von Industrie- und Lieferketten.
Dem neu ins Leben gerufenen Konsultationsmechanismus steht die entscheidende Bewährungsprobe noch bevor: Können beide Seiten wirklich aufeinander zugehen? Als umfassende strategische Partner müssen sich China und die EU von gegenseitigem Respekt, Gleichberechtigung und beiderseitigem Nutzen leiten lassen, um die bilateralen Wirtschafts- und Handelsbeziehungen nachhaltig voranzubringen. Dies kommt nicht nur den Unternehmen und der Bevölkerung auf beiden Seiten zugute, sondern leistet darüber hinaus einen Beitrag zur Verteidigung internationaler Gerechtigkeit, zur Bewahrung der globalen Wirtschafts- und Handelsordnung sowie zur gemeinsamen Förderung von Frieden, Stabilität und Wohlstand in der Welt.