08-04-2026
Ein fahrerloses Lieferfahrzeug hält vor Zhou Li, einer Bewohnerin von Qingdao in der ostchinesischen Provinz Shandong. Nachdem sie den QR-Code an der Seite des Fahrzeugs gescannt hat, nimmt sie ihre Bestellung – Bier, Wurst und geröstete Nüsse – entgegen, bevor das Fahrzeug geräuschlos davonfährt.

Zhou Li scannt mit ihrem Mobiltelefon einen QR-Code, um ihre Bestellung aus einem unbemannten Lieferfahrzeug in einer Wohnanlage im Stadtbezirk Chengyang in Qingdao in der ostchinesischen Provinz Shandong entgegenzunehmen. 28. Januar 2026 (Foto: Xinhua/Li Zheng)
„Ich hätte nie gedacht, dass man Lebensmittel so liefern lassen kann“, sagt Zhou, immer noch begeistert von ihrer ersten Erfahrung mit dem selbstfahrenden Lieferwagen. Den Service findet sie mit 9,9 Yuan (rund 1,44 US-Dollar) pro Lieferung innerhalb von 30 Kilometern preislich angemessen.
In der Küstenstadt Qingdao gehören autonome Lieferfahrzeuge mittlerweile zum gewohnten Straßenbild. Ohne Fahrerkabine und Lenkrad ähneln die kastenförmigen Fahrzeuge kompakten Metallcontainern und sind etwa halb so groß wie ein normaler Pkw. Von künstlicher Intelligenz (KI) angetrieben, kann das Fahrzeug Routen planen, Straßenverhältnisse erkennen, Ampeln und Hindernisse in der Nähe wahrnehmen und bremsen oder ausweichen, um Kollisionen zu vermeiden.
Bislang übernehmen unbemannte Lieferfahrzeuge in China Aufgaben wie den Pakettransport von Verteilzentren zu lokalen Stellen und die pünktliche Zustellung von verderblichen Waren und kühlkettenpflichtigen Medikamenten. Einige werden auch in der Logistik innerhalb von Industrieparks eingesetzt.
Qingdao beherbergt derzeit rund 1.150 unbemannte Lieferfahrzeuge und ist damit einer der größten Einsatzorte in China. Neolix, ein führendes chinesisches Unternehmen in diesem Sektor, hält einen bedeutenden Anteil der Flotte.
Im vergangenen Juni startete das Unternehmen in der ostchinesischen Hafenstadt einen Pilotversuch für den unbemannten Lieferdienst. Die dort eingesetzten Fahrzeuge haben eine Nutzlast von einer Tonne, ein Ladevolumen von sechs Kubikmetern, eine Höchstgeschwindigkeit von 45 Kilometern pro Stunde und eine Reichweite von 200 Kilometern.
Laut Miao Qiankun, Chief Technology Officer des Unternehmens, entwickelt Neolix seit 2021 KI-basierte Bilderkennungsalgorithmen, die es seinen Fahrzeugen ermöglichen, komplexe Verkehrssituationen mit dem Urteilsvermögen eines erfahrenen Fahrers zu interpretieren. Die Kosten für Kartenerfassung und -aktualisierung würden dadurch deutlich gesenkt.
Bis September letzten Jahres hatte das Unternehmen insgesamt mehr als 10.000 Fahrzeuge im Einsatz. Neben der engen Zusammenarbeit mit chinesischen Kurierdiensten hat das Unternehmen seine Präsenz auf über 15 Länder und Regionen weltweit ausgeweitet, darunter Japan, Südkorea, Deutschland und die Vereinigten Arabischen Emirate.

Unbemannte Lieferfahrzeuge auf einem Parkplatz von Neolix im Bezirk Chengyang in Qingdao in der ostchinesischen Provinz Shandong werden einer Wartung unterzogen. 28. Januar 2026 (Foto: Xinhua/Li Zheng)
Neben Qingdao sind selbstfahrende Lieferfahrzeuge mittlerweile in ganz China im täglichen Lieferdienst im Einsatz.
In Shenzhen, einem Technologiezentrum in der südchinesischen Provinz Guangdong, absolvierten 432 unbemannte Fahrzeuge im vergangenen September 1,02 Millionen autonome Lieferungen und generierten damit einen Umsatz von 8,7 Millionen Yuan.
In Beijing nutzt die On-Demand-Lieferplattform Meituan ein Hybridmodell: Selbstfahrende Fahrzeuge transportieren Bestellungen zu Übergabepunkten, wo Kuriere die Zustellung übernehmen. Selbst in ländlichen Gebieten des Uigurischen Autonomen Gebiets Xinjiang liefern unbemannte Fahrzeuge Pakete in bis zu 60 Kilometer entfernte Dörfer. Dort transportieren sie oft nur zwei oder drei Pakete pro Fahrt – zu wenig, um herkömmliche Lieferungen rentabel zu machen.
„Der Einsatz unbemannter Lieferfahrzeuge kann die Betriebskosten im Vergleich zur traditionellen Zustellung um fast die Hälfte senken“, so Yao Lei, Manager bei Yunda Express, einem der größten Expressdienstleister Chinas.
Bis Juni 2025 haben in China über 100 Städte Pilotprojekte gestartet, in denen autonome Lieferfahrzeuge auf öffentlichen Straßen eingesetzt werden.
Im vergangenen September veröffentlichten das Handelsministerium und andere Behörden Richtlinien, die Regionen mit geeigneten Voraussetzungen dazu anregen, die Entwicklung von Betriebs- und Regulierungsstandards für unbemannte Lieferfahrzeuge zu beschleunigen.
„Die niedrigen Kosten, die leichte Disponierung und die hohe Effizienz der selbstfahrenden Lieferfahrzeuge können große Herausforderungen in der Logistik der letzten Meile, wie hohe Kosten und Arbeitskräftemangel, bewältigen“, sagt Li Tiegang, Professor an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Shandong-Universität.
Er fügt hinzu, dass die rasche und breite Einführung der Technologie in China durch eine Kombination aus ausgereifter Technologie, hoher Marktnachfrage und starker politischer Unterstützung begünstigt werde.
Die Entwicklung intelligenter, vernetzter Fahrzeuge wurde im 15. Fünfjahresplan Chinas (2026–2030) hervorgehoben, der den Sektor als strategische Zukunftsbranche identifizierte. Laut Plan soll die Integration von KI in verschiedene Branchen gefördert werden, um die Entwicklung voranzutreiben und den täglichen Bedürfnissen der Menschen besser gerecht zu werden.
„Bei der Förderung unbemannter Lieferfahrzeuge geht es nicht einfach nur darum, menschliche Arbeitskräfte zu ersetzen“, sagt Li. „Im Mittelpunkt steht die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine. Neben der Optimierung der Lieferdienste werden auch neue Arbeitsplätze in den Bereichen Betrieb, Wartung und Disposition geschaffen.“