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Kulturelle Innovation haucht Beijings alten Gassen neues Leben ein

(German.people.cn)  Dienstag, 25. Juli 2023

  

Inmitten von emporragenden Hochhäusern und den geschäftigen Straßen der chinesischen Hauptstadt gelegen, nehmen die Hutongs einen besonderen Platz im Herzen vieler Bewohner ein. Die 48-jährige Wang Jing bildet da keine Ausnahme.

Für Wang, die in Hutongs aufwuchs, sind diese engen, von traditionellen Siheyuan (von vier Seiten umschlossener Hof) gesäumten Gassen, der Schauplatz von Kindheitsabenteuern und engen nachbarschaftlichen Beziehungen.

„Wenn ich aus der Schule kam und niemand zu Hause war und ich keinen Schlüssel dabei hatte, erledigte ich meine Hausaufgaben bei meinen Nachbarn und aß gemeinsam mit ihnen“, erinnerte sich Wang. „Wir waren wie eine große Familie“.

Hutongs sind enge Gassen, wie sie in nordchinesischen Städten üblich sind. Dicht mit der DNA von Beijings urbaner Entwicklung verwoben, bestehen Hutongs in der Stadt seit hunderten von Jahren.

Es existieren verschiedene Theorien über die Herkunft des Wortes „hutong“. Manche behaupten, dass die einstigen Wohnanlagen oft um eine gemeinschaftlich genutzte Wasserquelle herum errichtet wurden. Der Ausdruck „hutong“ stammt vom mongolischen Begriff für „Wasserquelle“.

Im allgemeinen Sprachgebrauch kann der Begriff auch für andere Arten von Gassen verwendet werden, die nicht zwingend diesen Namen tragen, wie z. B. „xiang“ (Weg) und „jie“ (Straße).

Wang betreibt einen Laden für Kultur- und Kreativprodukte in der Yangmeizhu Xiejie und versucht, Besuchern mehr Wissen über Beijings Geschichte und traditionelle Kultur wie die unverwechselbaren Hutongs zu vermitteln.

Mit einem akademischen Hintergrund in Industriedesign stellt sie unterschiedliche Produkte wie Keramikuntersetzer, Postkarten und Notizbücher her, die thematisch an die traditionelle chinesische Kultur angelehnt sind, und verkauft diese. Zu den Artikeln, die sich am besten verkaufen, gehören Kühlschrankmagnete, die Schildern nachempfunden sind, die früher häufig vor den Geschäften in der Gegend um Dashilan zu finden waren.

„Dashilan war einst ein belebtes Handelsviertel. Viele Läden hängten Schilder auf, sogenannte ,huangzi‘, die Angaben über ihr jeweiliges Geschäft enthielten“, sagte Wang.

Für Wang stellen die Hutongs nicht nur den architektonischen Stil und das künstlerische Wesen Beijings dar, sondern sie sind auch Zeugen des historischen Wandels der Stadt.

„Es ist interessant an einem Ort zu arbeiten, der in Nostalgie getränkt ist“, sagte Wang gegenüber Xinhua. Sie habe persönlich die Veränderung dieser traditionellen Gassen miterlebt.

Auf ihrem Schulweg passierte sie jeden Tag die 500 Meter lange Yangmeizhu Xiejie. Damals kreuzten zahlreiche Wäscheleinen und Kabel die enge Gasse, erinnerte sie sich.

In den letzten Jahren wurden Restaurierungsprojekte durchgeführt, um den ursprünglichen Charme der Hofhäuser zu erhalten, während die Bemühungen um eine Verbesserung der Infrastruktur und der Annehmlichkeiten die Lebensqualität der Bewohner der Hutongs verbessert haben.

Nach und nach hat die Yangmeizhu Xiejie ihren ursprünglichen Charme wiedererlangt. Heute ist die historische Gasse mit grauen Ziegeln gepflastert und viele Kunstateliers und Miniaturmuseen sind ringsum die alten Hofhäuser verstreut. Auch Wangs Laden befindet sich inmitten dieser kulturellen Kleinode.

Die Transformation dieser Straße gehört zu Beijings Bemühungen zum Schutz und der Wiederbelebung seiner Hutongs mithilfe kultureller Innovation.

Im Jahr 2017 gab Beijing einen allgemeinen Plan für die Stadt für 2016 bis 2035 bekannt, der die Stärkung des Schutzes von historisch und kulturell bedeutenden Gebäuden sowie die Stärkung urbaner Merkmale im Beijinger Stil, einer historischen Stadtatmosphäre und einer modernen Stadtgestaltung hervorhebt.

Dieser Plan sieht die Erhaltung von mehr als 1.000 Hutongs und deren Namen vor. Hutongs und Gassen mit traditionellem Beijinger Flair sollen wiederbelebt und die Hutong-Kultur entwickelt werden.

Im Shijia-Hutong im zentral gelegenen Bezirk Dongcheng wurde das Shijia-Hutong-Museum errichtet. Mit dem ersten öffentlichen Hutong-Museum der Stadt, soll die Beijinger Hutong-Kultur gefördert und das intellektuelle Leben der Bewohner bereichert werden sowie ein Ort aufrechterhalten werden, der sich mit der Zeit entwickelt und die lebendige Geschichte der Hutongs präsentiert.

Seit seiner Fertigstellung wurden durch das Museum alte Möbelstücke, Fotos und andere alte Objekte von Bewohnern der Hutongs gesammelt. Es wurden Künstler eingeladen, die Laute von Insekten und Stimmen in den Hutongs aufzunehmen, und eine Dauerausstellung eingerichtet, die den Bewohnern der Hutongs als kollektives Gedächtnis dient.

Die Hutongs wiederum treiben die Entwicklung der Kulturindustrie in Beijing voran. Im Jahr 2021 generierte die Kulturindustrie und die mit ihr verwandten Branchen in den Bezirken Dongcheng und Xicheng (die beiden wichtigsten Bezirke mit großer Anzahl an Hutongs) einen Umsatz von je 143,63 Milliarden Yuan (rund 19,82 Milliarden US-Dollar) bzw. 99,86 Milliarden Yuan.

„Hutongs sind ein einzigartiges Merkmal Beijings und sie zu erhalten, bedeutet Beijings Kultur zu schützen“, sagte Liu Yang, eine Beamte des Bezirks Xicheng.

Auch Wang ist der Meinung, dass die Hutongs nicht nur Wohngebiete, sondern auch lebendige kulturelle Symbole der Stadt sind.

„In den Hutongs können die Menschen die Vergangenheit und die Gegenwart des echten Beijings sehen, berühren und fühlen“, so Wang.

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