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Sammler in Jiangxi „entschlüsselt” antikes Wissen

(German.people.cn)
Dienstag, 14. November 2017
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Xiong Wenyi aus Jiangxi zeigt eins der antiken Schlösser, die er seit über 30 Jahren sammelt. [Zou Xiaohua/China Daily]

Wenn man bei Xiong Wenyi im Lager steht, kann man sich kaum bewegen. Der Raum ist voll mit sämtlichen nur erdenklichen Schlössern aus Holz, Messing und Eisen.

Xiong sammelt seit 30 Jahren wie verrückt Schlösser. „Mir gehören schon über 10.000 Stücke in über 100 unterschiedlichen Stilen, das älteste Stück stammt aus der Han-Dynastie (206 v.u.Z.–220)”, sagt Xiong über seine Sammlung.

Der Sammler, mittlerweile über 50, präsentiert uns einen seiner ganz besonderen Lieblinge: Ein Zugschloss mit einem kleinen Haken für den Schlüssel. Xiong zeigt uns auch eine Apparatur, die man nur mit einem zusätzlichen Schritt entriegeln kann. „Man muss zur Entriegelung den Schlüssel drehen und dann den Knopf hier unten drücken”, erklärt Xiong.

Teil der Sammlung ist auch ein großes Schloss aus Holz, das mal an einem Stadttor in der Provinz Shandog hing und bis in die Qing-Dynastie (1644–1911) zurückverfolgt werden kann. „Dieses Holzschloss ist schwer zu erhalten”, so Xiong.

Besonders stolz ist er auf ein sogenanntes „Labyrinthschloss” aus dem Verwaltungsbezirk Nyingchi der autonomen Region Tibet. „Man bezeichnet das wegen der inneren Zickzackstruktur als Labyrinthschloss”, erklärt Xiong. „Das Schloss ist sehr geschmeidig, aber der Schlüssel ist schwer nachzumachen, da bei jeder Umdrehung Winkel und Länge genau stimmen müssen.”

Die Apparatur mit Zickzackstruktur im Inneren wurde in der Ming-Dynastie (1368–1644) hergestellt. Im Winter 2015 hat Xiong auf der Suche danach den Einwohnern von Nyingchi jeden Tag hunderte Yuan gezahlt, um nach dem seltenen Stück suchen zu dürfen.

Xiong fing in seiner Kindheit mit dem Sammeln an, als er mit gespartem Geld Briefmarken, Bonbonpapier und die ersten kleinen Schlösser von seinen Freunden erwarb. „Für mich spiegeln antike Schlösser alte Weisheit wider. Wenn man sich alte Schlösser anguckt, kann man sehen, wie schlau unsere Vorfahren waren.”

Das Design und das dafür nötige handwerkliche Geschick haben schon viele beeindruckt, die die Schlösser auf verschiedenen Ausstellungen aus nächster Nähe sehen konnten.

Allerdings sei die Sammlung mehr als die Summe ihrer Teile, meint Hong Jun, Historiker an der Wuhan-Universität. Die Sammlung ermögliche einen Einblick in die historische Entwicklung chinesischer Schlossereikunst über tausende von Jahren.

„Mit den Schlössern können wir erforschen, wie staatliche und private Depots und andere Anlagen gesichert waren und auch mehr über ästhetische Standards der Vergangenheit erfahren”, so Hong.

Je größer die Sammlung wird, desto mehr Druck sieht sich Xiong aber auch ausgesetzt.

„Antike Schlösser, besonders die aus Holz, kann man leicht beschädigen oder zerstören. Ich muss ständig arbeiten, um die Artefakte für zukünftige Generationen zu erhalten”, erklärt Xiong.

Im Jahr 2012 wollte er ein Museum für Schlösser eröffnen, musste seine Pläne aber wegen einer Krebsdiagnose auf Eis legen. Angesichts der schweren Krankheit habe ihn seine Sammlung aber stark gemacht: „Ich habe mir immer wieder gesagt, dass mehr Menschen die Schlösser sehen müssen.”

Nach der Genesung fing Xiong an noch intensiver Schlösser zu sammeln. Er hat chinaweit nun über 20 Rentner angeheuert, die nach bestimmten Stücken für ihn suchen sollen. Sie wurden von ihm auch mit Smartphones ausgestattet, damit sie Fotos von neuen Entdeckungen mit Xiong teilen können.

„Ich möchte mir meinen Traum vom Museum für Schlösser erfüllen und damit anderen ermöglichen, das antike Wissen unserer Vorfahren zu ‚entschlüsseln’”, erklärt Xiong.

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