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Huang Mei: Durch kulturelle Integration werden echte Freunde kennengelernt

(German.people.cn)
Dienstag, 03. Januar 2017
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Von Zhang Yue, Beijing

Im Interview mit People’s Daily Online spricht die Vorsitzende des Vereins zur „Förderung des internationalen Austausches für Künste und Erziehung“, Dr. Huang Mei, über ihre Arbeit, Schicksalsschläge und Zukunftspotentiale.

Dr. Huang Mei (Bild von Hua Fang)

People’s Daily Online: 2016 ist das Deutsch-Chinesische Jahr für Schüler- und Jugendaustausch. Wie hat FiAKE dabei mitgewirkt? Was ist der Sinn des Austausches zwischen Jugendlichen?

Dr. Huang Mei: Jugendliche sind die frühen Morgenstunden, sie vertreten die Zukunft. Man sollte dem Austausch zwischen Schülern und Jugendlichen langfristig Beachtung schenken. Ich als Doktorin für Kunstpädagogik möchte meinen Teil zur Förderung des Jugendaustausches beitragen.

Seit der Gründung im Jahre 1999 hat FiAKE viele chinesische Kulturgruppen nach Europa eingeladen, um Aufführungen zu geben und um an Besichtigungsreisen teilzunehmen. 2002 wurde das Austauschprogramm der Deutsch-Chinesischen Jugendtage ins Leben gerufen. 2016 haben wir im Rahmen des Deutsch-Chinesischen Jahres für Schüler- und Jugendaustausch die Organisation und Bewerbung des 15-jährigen Programms weiter verstärkt. Allein auf der chinesischen Seite haben sich elf Gruppen von über 500 Schülern zur Teilnahme angemeldet. Wir mussten deshalb sogar die Teilnehmerzahl einschränken.

Die chinesischen und deutschen Schüler haben für fünf Tage zusammen gelebt und gespielt sowie Aufführungen gemeinsam eingeübt und vorgeführt. Während der Jugendtage wurden sechs Konzerte, zwei Ausstellungen und mehrere Workshops für Musik, Kunsthandwerk, Kalligrafie und Kungfu organisiert. Hinsichtlich Qualität und Quantität ist das diesjährige Programm das beste der vergangenen 15 Jahre.

Bei den Jugendtagen 2016 haben Künstler beider Seiten den modernen Klassiker „大海啊故乡“ als „Großes Meer“ ins Deutsche übersetzt und in zwei Sprachen gesungen. Ich halte das für eine erfolgreiche Popularisierung der chinesischen Musikkunst.

Können Sie mehr über den Verein FiAKE erzählen? Was hat Sie zur Gründung bewegt?

Ich habe in Deutschland in Kunstpädagogik promoviert. Während dieser Zeit habe ich oft mit meinen Doktorvätern über den Kulturaustausch zwischen China und Deutschland diskutiert. Nach dem Studium arbeitete ich in Deutschland. Zuerst beschäftigte ich mich in der Freizeit mit dem chinesisch-deutschen Kulturaustausch und nach ein paar Jahren beschloss ich, einen Verein zu gründen.

2000 veranstaltete Deutschland die Expo. Die deutsche Regierung lud alle Jugendlichen der Welt nach Hannover ein. Mein Verein wurde damit beauftragt, Aufführungen und Besichtigungen der chinesischen Schüler und Jugendlichen in Deutschland zu organisieren. Am Ende konnten die deutschen Zuschauer Aufführungen von 500 chinesischen Schülern aus 16 Kunstgruppen bei der Expo bestaunen.

Bis 2002 traf ich die Entscheidung, ein langfristiges Austauschprogramm zwischen chinesischen und deutschen Jugendlichen einzurichten, so entstanden die „Deutsch-Chinesischen Jugendtage“.

Können Sie einige Ihrer Erfahrungen aus dem Jugendaustausch der vergangenen 20 Jahre mit unseren Lesern teilen? Gab es auch schwierige Momente?

Wenn du allein im Ausland lebst, brauchst du lange, um dich mit der fremden Kultur zu vermischen. Die kulturelle Integration ist ein langer Prozess, wodurch allerdings echte Freunde kennengelernt werden können. Ich und viele deutsche Künstler sind beispielsweise beim Austausch zu guten Freunden geworden. Als ich eine deutsche Kollegin während des diesjährigen Projekts traf, trug sie den Seidenschal, den ich ihr vor zehn Jahren in China ausgesucht hatte.

Meiner Meinung nach sind Kultur und Kunst wichtige Plattformen für alle Menschen der Welt, um einander kennenzulernen und zu verstehen.

Schwierig gestaltete sich allerdings gleich der Beginn des Programms „Deutsch-Chinesische Jugendtage“, als ich unglücklicherweise an Krebs erkrankte. Als Europäer hätte ich vielleicht sofort mit meiner Arbeit aufgehört und mich vom sozialen Absicherungsnetz auffangen lassen. Aber ich stamme aus China und habe gelernt, auf meinen eigenen Beinen zu stehen und unaufhaltsam vorwärts zu streben. Das ist eine herausragende Eigenschaft der Chinesen und ist mir bis heute eine Stütze.

Was ist Ihr Eindruck von deutschen Kindern, was ist der Unterschied zu chinesischen Kindern?

Nicht die Kinder sondern die Eltern aus beiden Ländern finde ich anders. Die neue Generation der chinesischen Jugendlichen ist heute in Bezug auf das materielle Leben sowie Intelligenz und Bildung vergleichbar mit Kindern aus Europa. Aber ihnen bürden ihre chinesischen Eltern zu viele Erwartungen auf. Sie müssen zu viel Druck von Vater und Mutter ertragen und verlieren sich selbst.

Die deutschen Kinder führen ein einfacheres Leben und haben mehr Möglichkeiten, nach den eigenen Träumen zu streben.

Wie sollte man ihrer Ansicht nach die Missverständnisse zwischen beiden Völkern beseitigen?

Vor allem muss ich betonen, dass Chinesen und Deutsche ein freundliches und einfaches Verhältnis zueinander haben. Alle Deutschen, die durch meine Austauschprogramme China besucht haben, staunten über die rasante Entwicklung des Landes und liebten die schöne Landschaft und die lokalen Spezialitäten. Alle Chinesen, die mit mir nach Deutschland gereist sind, schätzten die deutsche und europäische Kultur.

Es gibt dennoch auch Differenzen zwischen China und Deutschland bezüglich der Ideologie, Kultur und Geschichte. Es ist unvernünftig, einander die eigenen ideologischen Ideen aufzuzwingen. Ich hoffe, dass beide Seiten mehr Zeit und Gelegenheiten schaffen können, sich gegenseitig kennenzulernen.

Welche Rolle spielt der Verein FiAKE für die öffentliche Diplomatie Chinas? Wie wird mit den Regierungsbehörden zusammengearbeitet?

Seit Jahren bekommen wir Beachtung und Unterstützung von der chinesischen Botschaft in Berlin sowie der lokalen Regierung. Ich hoffe, dass die chinesischen Regierungsbehörden die privaten Institutionen und Organisationen verstärkt unterstützen können, damit chinesische Kunst und Kultur durch staatliche und öffentliche Kanäle im Ausland verbreitet werden kann.

Was haben Sie für den künftigen Kunstaustausch mit Deutschland vor?

Die Deutsch-Chinesischen Jugendtage 2016 waren ein großer Erfolg. Der Verein wird das Programm weiter verbessern und vergrößern. Wir haben schon geplant, dass die Jugendtage 2017 Mitte Juli des kommenden Jahres stattfinden. Ich lade alle deutschen und chinesischen Schüler ein, daran teilzunehmen!

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